Clueso im Interview zu ‘Handgepäck I’

Clueso im Interview zu ‘Handgepäck I’

Jahrelang haben seine Fans darauf gewartet, jetzt hat Clueso endlich sein Album ‘Handgepäck I’ veröffentlicht. Es versammelt akustische Perlen, die auf seinen vielen Reisen zwischen Tür und Angel, im Flugzeug, Auto, Bus und im Hotel entstanden sind. Wir haben ausgiebig mit ihm telefoniert, als er gerade zuhause in Erfurt war und viel über ihn und die Entstehung seiner Musik erfahren.

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Hey Clueso, ich komme aus der Nachbarstadt Jena und verfolge deine Entwicklung schon lange. In deiner Bio steht, du bist in den letzten 20 Jahren immer erfolgreicher geworden. Da hab ich mich plötzlich alt gefühlt und mal genau nachgeschaut. Du bist ja sogar schon noch länger aktiv!

Ja, voll krass, oder? (lacht) Wenn das jetzt schon im Waschzettel steht! Ich mach mir mal kurz nen Kaffee, das geht ja hier zuhause ganz schnell.

Bist du denn, wenn du zuhause in Erfurt bist, immer bei deinen Eltern?

Nein, ich wohne alleine in der Innenstadt. Meine Eltern kommen manchmal zu Besuch oder ich fahre zu ihnen raus. Das ist hier meine kleine Festung. Da stell ich die Klingel ab. Ich poste auch immer einen Tag später auf Instagram, wo ich bin, damit mich die Leute nicht nerven. (lacht)

Stehen die sonst vor deiner Tür?

Ja, na die freuen sich, wenn ich mal einen Tag da bin und sagen “Hey, Kaffee hier! und dann dort!”. Ist ja auch schön. Das ist dann ein bisschen gemein von mir. Aber zum Akklimatisieren brauche ich so einen Tag, in Unterhose durch die Bude rennen und niemanden sehen.

Wir haben ja schon festgestellt, dass du schon 20 Jahre unterwegs bist. Wie fühlt es sich an, Songs aus so verschiedenen Episoden deines Lebens auf einem Album zu vereinen?

Das ging so von alleine. Ich habe vor vielen Jahren einen Ordner namens “Handgepäck” gemacht und wusste schon, dass es so heißen würde. Und jetzt waren es einfach zu viele. Da habe ich gedacht, das mache ich jetzt einfach fertig. Viele Freunde und auch mein Bruder haben gesagt, Alter, du musst jetzt “Handgepäck” mal rausbringen, sonst wirds echt peinlich.

Weil du es auch schon öffentlich erwähnt hattest.

Ja, das sollte schon vor “Stadtrandlichter” rauskommen. Da hatte ich schon genug Songs. Dann drückte aber “Stadtrandlichter” rein und dann kamen Songs wie “Alles leuchtet” und da war dann eine ganz andere Energie im Studio und da hab ich das nicht mehr vereinbaren können: Gehe ich jetzt auf Akustik oder nutze ich diese Energie?

Vor “Neuanfang” sollte es auch “Handgepäck” geben. Dann kam aber die Trennung von der Band und dann waren auch andere Themen präsent beim Schreiben, da ich ja alles selber mache. Also nicht alles, aber Schreiben tu ich selber.

Ja und jetzt war es soweit und ich dachte, wenn ich es jetzt noch einmal verschiebe, hau ich mir selber eine rein.

Und dann war es ganz easy, ich habe gar nichts mehr gemacht. Ich hab sie zum Mischen gegeben bei nem Kollegen und dann fanden es aber alle zu brav. Der musste das ja nachstellen, also alle Spuren einzeln nochmal dahin bringen, wo ich eh schon war. Und dann haben meine Leute gesagt: Misch doch einfach nicht. Hau es einfach raus. Deswegen musste ich nicht viel machen, außer es in eine Konstellation setzen, daraus ein Mixtape bauen. Das habe ich dann mit Barış Aladağ auf nem Flug nach Tel-Aviv gemacht. Da haben wir das Album zusammengesetzt und dann war es eigentlich auch schon fertig.

Tel-Aviv, also Hebräisch, hört man ja auch auf “Einfache Fahrt”.

Ja, genau. Das ist Erez Frank, der Bassist von Max Prosa. Der war im Studio und hat dann schnell noch was eingesprochen.

Ahja, ich dachte, es ist eine Straßenszene vor Ort.

Ja, davon gibts tatsächlich viele auf dem Album. Aber hier hat Erez Gitarre gespielt und ich dachte, ich brauch noch was. Ruf mal irgendwen an im Zug oder so. Und dann hat er quasi sein Mum angerufen: “Hey Mum, alles cool. Ich bin bald da.” Das ist so die Übersetzung – hoffe ich! (lacht)

Ja, wenn nicht wirst du das bald erfahren! Dein Album heißt ja “Handgepäck I”, das klingt, als hättest du noch weitere Songs dieser Art im Ärmel, die veröffentlicht werden wollen. Kommt da noch “Handgepäck II”?

Ja, ich habe früher nicht oder nur selten irgendwas sortiert. Meine Alben sind ja eher so ein Potpourrie aus allen Musikrichtungen. Ich habe gemerkt, ich habe zu viele Akustiksongs. Die werden nie aussterben auf einem Clueso-Album, die werden immer vertreten sein. So wie “Nebenbei”, “Sorgenfrei” und “Barfuss” oder sowas. Das wirds immer geben, aber ich hab hier zu viele rumliegen und die müssen akustisch bleiben, von den Harmonien her. Deswegen die Eins. Das ist eigentlich auch ein Appell an mich selber, auch irgendwann die Zwei zu machen.

Das wird so mein eigenes Mini-Unplugged. Da weiß man, ah, das ist akustisch. Oder es ist auf Reisen zwischen Tür und Angel entstanden. Da weiß ich noch gar nicht, ob ich mich gänzlich dem akustischen Konzept unterwerfe. Vielleicht ist auch “Handgepäck II” nur Beats oder so. Aber sieht so aus, als würde ich es mit Gitarre machen. Ich lasse mich da auch ein bisschen treiben.

Gerade weil sie zwischen Tür und Angel entstanden sind, bewegen sich alle Songs so zwischen Heimweh und Fernweh. Sind das die generell so die zwei Pole, zwischen denen du pendelst, weil du so viel unterwegs bist?

Na das ist einfach auch ein schöner Stoff. Also zum Schreiben, auch schon immer gewesen. Ich habe viele Songs darüber, das Jetzt zu genießen oder Zurückkommen zum Jetzt. Ich bin nicht der Typ, der so ganz weit vorausdenkt. Das ist eh so ein Lieblingsthema. Und Fernweh und Heimweh gehören da irgendwie mit rein, ins Jetzt. Jetzt losfahren, sich dem Moment hingeben oder Nachhause kommen und die ganzen Gedanken. “Stadtrandlichter” ist ja auch so ein Song.

Eigentlich sind die Songs so eine Schnitzeljagd. Ich schreibe halt mal eine Zeile dort, mal eine Strophe hier. Selten habe ich so Dinger komplett durchgeballert. Nur “Paris” zum Beispiel, das habe ich auf einer Autofahrt geschrieben und dann nach einem Konzert. Das ging relativ schnell.

Aber ein Song wie “Einfache Fahrt”, da habe ich mal auf einer Zugfahrt das eine Ding geschrieben und dann in einem Hotel irgendwo in Malaysia das andere. Und dann habe ich das so zusammengesetzt. Deswegen geht die Lyrik auch manchmal in der zweiten Strophe ganz woanders hin.

Vor allem auf dem eigentlichen Opener “Wie versprochen” und dem letzten Song “Paris” klingt es so, als hätten deine Reisen dich öfter von deinen Lieben getrennt. Bereust du das im Nachhinein? Hast du manchmal das Gefühl, du verpasst zuhause etwas? 

Im Moment nicht. Ich freue mich eher, wenn ich mal Zeit für mich habe. Das ist aber Stand heute und wenn du mich vor einer Woche gefragt hättest, hätte ich dir eine andere Antwort gegeben. Heute ist es so, dass ich jetzt gern mal eine Woche am Stück hätte. Für mich und gar nicht mal für die anderen.

Bei “Wie versprochen” geht es eher darum, dass man Erwartungen ablegen muss, wenn man alleine reist oder wenn man sich den Momenten hingibt, die man nicht alle in der Hand haben darf. Damit schöne Sachen auf einen zukommen, muss man auch die Erwartungen runterschrauben. Deswegen singe ich eigentlich, dass ich mir wünschte, diesen Moment mit jemandem zu teilen, aber schreibe gleichzeitig: Kein Empfang und fühle mich gut dabei. Dass jede Reise auch etwas Schönes mit dir alleine macht. Nur dass man es eben nicht wie bei nem Film, bei dem man lacht, mit jemandem teilen kann.

Das ist eher so diese Ambivalenz des alleine Reisens, die da so durchblitzt.

Du singst ja auch, du bist hier ganz oben. Erfolg ist ja auch so eine Sache, die einen vielleicht von manchen Leuten trennt.

Ja, das kann man da reininterpretieren, auf jeden Fall. (lacht)

Aber ich meine wirklich eigentlich auf einem Berg sein oder irgendwo zusammen hingehen zu wollen und dann macht man es doch alleine. Das war so die Idee des Songs und dann lernt er laufen und ich geb mich dem hin. Ich denke da ehrlich gesagt gar nicht so viel drüber nach. Das ist immer das Schwierige in Interviews. Ich schreibe immer erst und und sicherlich ist das da alles drin, was du auch da drin siehst und alle anderen auch.

Man weiß ja vielleicht oft gar nicht, worauf man hinaus will, bevor man es dann aufschreibt.

Zumindest lege ich mir niemals eine Zeile hin und sage, das ist ein Thema, das mich interessiert und darüber schreibe ich jetzt. Sondern ich sage “Alleine reist man so viel schneller” oder “Ich zähle bis hundert mit einer Hand”, was irgendwie eine Langeweile ausdrückt. Ich finde es einfach nur schön, ich weiß gar nicht, was ich damit sagen will. Und dann füge ich die Sachen zusammen und merke, okay, es ist nicht total konfus.

Aber ich gehe da auch viel über Klang, wie bei “Gewinner”. Ich schreibe und merke dann, aha, es ist eine Fernbeziehung. Das ist also das Thema.

Du hast unzählige Konzerte, auch viele außerhalb des deutschen Sprachraums, gespielt. Erinnerst du dich an viele davon oder wird alles zum einem großen, langen Film?

Das ist das Problem. Man fällt aus dem Bus, in unserem Fall, zum Glück. Früher sind wir ja mit dem Sprinter gefahren. Deswegen hasse ich auch Autofahren. Ich bin so viel Auto gefahren, ich habe keinen Bock mehr drauf. Dann fällt man irgendwie aus der Location raus und denkt, hier warst du doch schon mal. An die meisten erinnert man sich, aber vielleicht verwechselt man auch mal die Festivals, nur weil da auch ein Zelt war. Aber die anderen Locations, da weiß man schon, wo man ist.

Zum Glück gibts Fotos. Wir haben ja immer einen Tourfotografan dabei, Christoph Köstlin hauptsächlich. Dadurch bekomme ich das ganz gut sortiert. Ich kann das vielleicht nicht so genau mit Zahlen benennen wie andere. War das jetzt letztes Jahr oder vor drei Jahren? I don’t know.

Oder vor zwanzig Jahren!

Haha, das sieht man dann an den Klamotten!

Durch die steigende Bekanntheit spielen wir aber gar nicht mehr so viel außerhalb der Großstädte. Weil es nicht so viel Sinn macht, dann müsste man ja acht mal hintereinander spielen. Deswegen gehen wir eher in die größeren Locations. Da unterscheidet man dann höchstens: Spiele ich die ganz große Halle, was ich nicht so mehr so mag, oder lieber eins drunter. Da spiele ich in Köln lieber zweimal im Palladium, das ist viel sexier und angenehmer als die große Köln-Arena.

Aber mit der Handgepäck-Tour werde ich auf jeden Fall kleine Locations spielen. Das Album gehört definitiv in kleinere Locations. Dann fahre ich auch mal wieder in eine Stadt, wo wir mit der Produktion, die wir sonst gerade haben, nicht hingefahren sind.

Die Tour steht ja dann schon immer Monate im Voraus fest. Manchmal hat man ja aber einfach keinen Bock, rauszugehen und Leute zu sehen. Wie machst du das, wenn du eigentlich lieber in Unterhose zuhause rumsitzen willst?

Naja, der Hunger kommt beim Essen. Manchmal bucht man ja auch Urlaub und denkt dann, es ist doch eigentlich gerade schön hier, warum muss ich jetzt wegfliegen? Aber dann ist man froh, dass man raus ist.

Und ehrlich gesagt dann, wenn ich vor der Bühne stehe, dann sind für mich keine Fragen mehr offen. Ich bin nicht jemand, den man da überreden muss, rauszugehen. Im Gegenteil, ich denke immer so: Los jetzt, seid ihr alle fertig? Kanns losgehen?

Es ist nur der anfängliche Moment, dass man dasitzt und denkt, es ist doch gerade so bequem. Die Festivalsaison zerfranst einem auch so die Zeit. Praktisch immer gerade am Wochenende, wo alle ein bisschen mehr Zeit hätten, auch mal abends länger irgendwo draußen chillen können, da bin ich dann meistens weg und spiele auf Festivals. Da wäre es jetzt auch mal schön, mit Leuten einen Wein zu trinken. Das mache ich dann auf dem Festival mit meiner musikalischen Ersatzfamilie.

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit DISSY? Ist das eine alte Erfurt-Connection?

Nein, noch gar nicht so lang. Wir kannten uns vom Sehen und er hat mich mal früher in nem Song gedisst, das fand ich ganz geil. Das ist ja was, was man im Hiphop immer mal gern gemacht hat. Ich freu mich dann: “Ich fahre mit Clueso im Kofferraum nach Chicago”. Ich fand den Song geil und hab gedacht, ah, hier gibts Erfurter und man wird dann doch irgendwie wahrgenommen.

Dann habe ich ihn über meinen Nachbarn kennengelernt, der ist DJ. Der meinte, check mal DISSY aus, der ist auch ganz geil, der macht auch Film. Dann haben wir zusammen das “Achterbahn”-Video gemacht und gemerkt, das zündelt auf jeden Fall. Da bleibt nur leider wenig Zeit, weil wir zu viele Baustellen haben.

Aber immer, wenn wir zusammen kommen, entsteht irgendwas Geiles. Wir spielen uns Tracks vor, sind voll verrückt, ich baue nen Beat, obwohl ich eigentlich was anderes machen soll. Dann haben wir ein Akustik-Video gedreht und das schneidet er noch während der Zugfahrt, obwohl er gleich live spielt. Ich hab ihn gerne um mich, der hat eine ähnliche Denkweise. Ist ein bisschen mehr straßenkötermäßig, das finde ich ganz geil. Er ist ein guter Freund geworden.

Du hast ja auch schon mit den Granden des deutschen Rock und Pop gearbeitet. Was war da am krassesten für dich?

Na auf jeden Fall mit Udo Lindenberg unterwegs zu sein, so eine ganze Tour mit ihm zu machen. Ich hatte ja dann in der Zeit, als “Cello” rauskam, wirklich viel mit ihm zu tun. Da lernt man dann wirklich irgendwann den richtigen Udo kennen. Der sich zwar gar nicht so doll unterscheidet, denn er ist einfach Udo Lindenberg, aber es war einfach krass, dieses ganze Umfeld zu sehen, aus was für einer Zeit die kommen. Wie Musik damals funktioniert hat und wie die Kontakt zu Fans hatten. Ich meine heute haben wir Facebook, Instagram und alles mögliche, das gabs damals nicht. Da gabs Leute, die aus dem Osten irgendwohin Karten geschrieben haben und wo Udo dann aus irgendeiner Bar mal was zurückgeschrieben hat. Da stand zum Beispiel mal einer mit einer Karte von Udo aus den 70ern oder 80ern vor dem Backstage und konnte dann rein und sie ihm zeigen.

Natürlich auch, wie Udo die deutsche Sprache damals nach vorne gebracht hat.

Was hat dich an neuerer Musik zuletzt beeindruckt?

Alles mögliche, von Dirty Projectors bis Anderson .Paak. Manchmal höre ich auch irgendwelche Trap-Sachen. Ich finde es lustig, wie das dann mit organischen Sounds vermischt wird. Als Musiker sind so Empfehlungsplaylisten oder Songs, die man mal im Café hört und dann shazamt, auch sehr interessant. Jetzt habe ich allerdings die Frage vergessen.

Die war, was dich zuletzt so beeindruckt hat.

Ahja, na manchmal fehlt so eine Platte wie “Nevermind”, die so einschlägt. Boah, ab heute ist nichts mehr, wie es war. Das hat man jetzt in letzter Zeit nicht mehr so oft, dass eine Platte rauskam und du denkst, die krempelt jetzt mal die ganze Szene um. Es ist viel gefächerter und viel breiter. Anderson .Paak “Malibu” ist wirklich eine Platte, die mich sehr geflash hat, weil da viele Sachen zusammenkommen. Du kannst sie überall reinmachen, wir haben sie immer auf Tour gehört und ich höre sie ehrlich gesagt zuhause, um bei mir Ordnung zu machen. Oder in den Morgen zu starten. Zähne putzen und dabei “Malibu” rein.

Wie stehst du heute zu deiner eigenen Hiphop-Vergangenheit? Gerade da “Handgepäck” jetzt davon so weit weg ist, wie es nur geht. Hast du da mal wieder Bock oder ist das jetzt durch DISSY und Fanta Vier erstmal abgehakt?

Naja, es ist auf jeden Fall auffällig, wie gut es funktioniert, wenn ich es mal mache. Mit DISSY habe ich jetzt zwei Tracks, mit Maeckes auch auf seinem kommenden Album. Auf jeden Fall wird da viel rumgebastelt und ich habe jetzt hier gerade vor mir zwei Synthesizer aufgebaut und bastel gerade an völlig neuen Sachen, die ganz entfernt sind von “Handgepäck”.

Das hat viel mit Groove zu tun und wenig mit Gitarre. Ich weiß nur noch nicht, wie ich das dann raushaue, ich habe jetzt schon elf Stück. Mal gucken, in welche Richtung das geht und wen ich mir dann noch als Feature reinhole. Luxusproblem bei mir, ich habe immer irgendwelches Zeug. Aber ich glaube, es wäre mal wieder Zeit für sowas, da hab ich total Bock drauf.

Dass mal jemand sagt: “Mach mal lieber so weiter wie vorher” gibts aber nicht?

Doch, es gibt schon Ratschläge. Also wenn ich jetzt was total Krankes mache. “Das kannst du schon so rausbringen, aber wenn du es live spielst und Clueso draufschreibst, verwirrst du die Leute eventuell”. Vielleicht markiert man das dann irgendwie anders. Die Leute zu überraschen ist geil, aber man versucht, keine Erwartung zu wecken, die dann gar nicht erfüllt wird. Das wäre dann aber nur live, raushauen könnte ich, was ich will.

Die Frage ist eben nur, was drückt, was von der anderen Seite kommt. Bei “Neuanfang” war es ja so, dass ich “Handgepäck” machen wollte und dann kamen andere Songs aus mir raus, ich habe einen nach dem anderen geschrieben. Und dann meinte der Produzent, vielleicht sollten wir das umdenken. Schreib doch noch so einen Song wie “Achterbahn”, das wird total geil. Dann ist das ein durchaus förderlicher Tipp.

Also kann es sein, dass noch ein anderes Album kommt und dann erst die Beats?

Ja, das kann sein. Aber ich habe ja schon die Tracks mit DISSY und Maeckes, die kommen. Wen findest du denn geil, wer wäre denn noch geil für ein Feature? Irgendwas Unerwartetes? Ich hätte gerade Bock, da zu überlegen. Oder doch 187er? (lacht)

Schwierige Frage, aber ich wäre ja für eine Frau.

Ich könnte mir echt vorstellen, ein Urban-Album zu machen, ich nenn das jetzt einfach mal so. Aber ich würde mich da auch nicht zu Tode rappen, obwohl ich Bock hätte, weil man sich so automatisch mit der Szene anlegt. Da kommt dann gleich, es ist alles scheiße. Da mache ich lieber nur nen kleinen Ausflug und zeige, ich kanns.

Wenn du dann noch als Lady anfängst du rappen, dann kommt jeder raus und pisst dir an den Karren. Die Szene ist wirklich sehr bissig. Das hast du im Pop nicht. Da machst du deinen Kram und dann findet man es cool oder nicht.

Jetzt hab ichs! Mach was mit Mine. Die hat ein Album mit Fatoni gemacht, das ist von vorne bis hinten grandios. Sie schreibt und produziert alles selber und passt auch inhaltlich gut zu dir.

M-I-N-E? Dit nehm ich mal unter die Lupe!

Sehr gut, vielen Dank für deine Zeit!

(Alle Fotos: Christoph Köstlin)

 

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