I Heart Sharks: Fast wie Schokolade

I Heart Sharks: Fast wie Schokolade

Mit “Hideaway” veröffentlichen I Heart Sharks ihr bereits drittes Studioalbum. Grund genug, den deutschen Indiehelden einen Besuch in ihrem Studio abzustatten.

2007 trafen sich drei Jungspunde in Berlin zu ersten Mal und begannen als I Heart Sharks Musik zu machen. Fast 10 Jahre, zahlreiche Liveshows und zwei Alben später gibt es nun ein neues Album. I Heart Sharks zelebrieren die Rückkehr zu ihren Wurzeln. Alles selbstgemacht, alles indie, alles so, wie sie es sich vorgestellt haben.

Was sich verändert hat? Mittlerweile ist das Trio zu einem Quartett gewachsen. Außerdem sind sie älter und nachdenklicher geworden. Die unbefangene Naivität der 19-jährigen ist gesundem Selbstbewusstsein von erwachsenen Musikern gewichen.

Optimus versprüht ihre Musik weiterhin. Mit frischem sonnendurchflutenden Surfpop, einer Prise dunklem Electro und den typischen I Heart Sharks-Hooks entwickeln sie ihren Sound auf “Hideaway” weiter. Dabei distanzieren sie sich ein wenig von den geliebten Synths, und greifen lieber auf echte Instrumente zurück.

Sänger Pierre und Gitarrist und Produzent Simon sprachen mit uns über Veränderungen, die eigenen vier Wände, Kygo, das Mysterium von MySpace und was Schokolade mit ihrer Musik zu tun hat.

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Woran habt ihr heute morgen als erstes gedacht?

Pierre: Wir haben heute mehrere akustische Sessions gespielt. Als ich heute morgen aufgewacht bin, habe ich mich darauf gefreut, die Songs so anders zu spielen. Das war das erste Mal, dass wir so etwas gemacht haben. Eine spannende Sache für I Heart Sharks, weil wir sonst immer megalaut sind.

Simon: Ich habe an unseren vollgepackten Terminplan gedacht und die Tatsache, dass wir jetzt Interviews geben. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir quasi nur zu viert alleine im Studio. Man sieht keine Menschen, man hört keine Menschen. Jetzt ist auf jeden Fall der Zeitpunkt gekommen, wo es so richtig losgeht.

Pierre: Genau, ich hatte das gleiche Gefühl. Leuten die Musik zu zeigen, das ist schon ein großer Schritt.

Wir sitzen gerade bei euch im Studio. Habt ihr “Hideaway” komplett hier aufgenommen?

Simon: Fast alles. Wir waren auch ein paar Tage in Leipzig und haben dort mit unserem Schlagzeuger und Bassisten geschrieben. In der Konstellation zu schreiben, ist bei diesem Album neu gewesen. Den Rest haben wir dann hier gemacht.

Euer neues Album habt ihr selbst produziert. Das hattet ihr bei der vorherigen Platte einem externen Produzenten überlassen, wie kam der Wandel zurück zur Eigenproduktion?

Pierre: Das erste Album haben Simon und ich quasi zusammen gemacht. Simon war der Produzent und ich habe ihm mehr so am über die Schulter geguckt. Das zweite haben wir mit einem anderen Produzenten gemacht, Joe Cross, der auch Hurts produziert hat. Das war sehr spannend, ein ganz toller Produzent. Jetzt wollten wir unbedingt wieder selbst produzieren und das haben Simon und ich dann hauptsächlich gemacht.

Wie hat sich das angefühlt?

Pierre: Für dich wahrscheinlich stressig, Simon.

Simon: Sehr befreiend eigentlich. Es auf jeden Fall ein Art von Selbstverwirklichung. Durch das letzte Album und der Zusammenarbeit mit Joe Cross haben wir viel gelernt. Jetzt waren wir an dem Punkt, wo wir dachten: Ja! Wir wissen es jetzt eigentlich gut genug, um es alleine zu machen und es so hinzukriegen, wie wir das wollen.

Pierre: Wir sind alle große Fans von Simons Produktion. Ich finde, dass die Art der Produktion sehr gut zu der Band passt. Simon versteht das ja auch besten, weil er Teil der Band ist.

Ihr seid jetzt kein Trio mehr, sondern ein Quartett. Wie hat sich diese Veränderung auf die Band ausgewirkt?

Pierre: Craig, unser Bassist, ist ein sehr ruhiger Mensch. Er bringt so eine Art Entspannung und Diplomatie in die Band.

Simon: Er bringt Ruhe und Frieden in die Gruppe.

Wart ihr vorher ein hektischer Haufen?

Simon: Nicht immer. Beim letzten Album haben wir sehr viel zu zweit gemacht. Egal, wie gut man sich versteht, irgendwann hat man sich auch genug gesehen. Nun sind wir vier Leute. Das hat der Gruppe in eine ganz andere Dynamik gegeben und der Kreativität geholfen.

Pierre: Es ist jetzt viel mehr wie eine Band. Das ist ein schönes Gefühl.

Was für Musik habt ihr gehört, während ihr das Album aufgenommen habt? Welche Alben und Musiker haben euch für diese Platte besonders inspiriert? 

Pierre: Unser Schlagzeuger hat sehr viel LCD Soundsystem gehört. Das ist für ihn ein sehr großer Einfluss, weil er den Rhythmus dieser Band mit uns vergleichen kann. Ich habe sehr viel M83 gehört. Ich liebe seinen Klang und die Welt, die er um die Musik baut. Ich finde, dass hat so einen kompletten Eigencharakter. Mann sich voll und ganz in seinen Alben verlieren, und trotzdem sind die dabei mega eingängig.

Simon: The National taucht auch immer wieder bei uns auf. The National sind ja sehr erwachsen, und die haben graue Bärte und so. Vielleicht hat sich das auch in unser Album ein bisschen mit eingeschlichen. Der größte Einfluss von dieser Band ist, dass wir jetzt zu viert spielen, mit echten Instrumenten. Die elektronischen Synthesizer-Elemente sind ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Die Musik ist einfach ein bisschen erwachsener geworden.

Paare haben ja gerne sowas wie “unser Lied”. Habt ihr einen Bandsong? 

Simon: Das wechselt glaube ich immer.

Pierre: Es gibt auf jeden Fall immer Playlisten vom Rückweg von Auftritten oder am Ende einer Tour, wo alle verkatert sind. Genau so gibt es pre-show Songs. Die letzten Male war so ein Song “Sexual Healing“ im Remix von Kygo, den haben wir immer gerne angemacht. Das war so..

Simon: …witzig?

Pierre: Ja, das war immer für die gute Laune. Wenn man den ganzen Tag auf Tour unterwegs ist, da wartet man 23 Stunden am Tag. Das kann sehr schnell zu Lethargie führen. Bevor man auf die Bühne geht, ist das immer ein großer Cut. Die Leute erwarten, das du sie unterhältst, und du willst ja auch Spaß dabei haben. Deswegen braucht man den Übergang von der wartenden Band zum Entertainer. Und so ein Song hilft dabei.

“The world’s not what it used to be, but neither are we”  hallt uns von der neuen Platte entgegen. Was ist die größte Veränderung die ihr durchlebt habt? 

Pierre: Wir sind einfach älter geworden.

Simon: Wenn ich jetzt an unser erstes Album zurückdenke, dann weiß ich noch genau mit wie es war mit 19 Jahren. Wir waren neu in Berlin, wir mussten uns dafür rechtfertigen, dass wir Musik machen.

Pierre: Ich liebe, wie naiv die Songs von damals klingen. Wir dachten, dass wären voll die großen Hits. Ich mag es, den 19-jährigen ab und an noch mal zu zuhören. Jedes Mal, wenn ich es jetzt wieder anmache, dann sehe ich die jungen, naiven Jungs.

Könnt ihr eure Musik in drei Worten beschreiben?

Pierre: Fast wie Schokolade. Weil ich Schokolade mag und das Gefühl, was Schokolade in einem auslöst. Ich hoffe, unsere Musik kann das auch.

Auf “Walls” geht es darum, sich ein Zuhause zu schaffen. Wie sieht euer Heim aus, und was macht euer Zuhause zu dem, was es ist?

Pierre: Unsere Freundinnen wahrscheinlich?

Simon: Ich glaube auch, unsere Hipsterfreundinnen und zum Glück immer weniger IKEA. Als wir das erste Album gemacht haben, haben wir in allen möglichen WGs gelebt. Das war immer nur rein und raus und kein wirkliches Zuhause, das war mehr nur ein Bett wo man schlafen konnte. Aber jetzt hat man zum Glück seine eigenen vier Wände, so ein bisschen wie im Lied eigentlich.  Ich weiß, wenn ich freitags aus dem Haus gehe, zwei Konzerte spiele und Sonntag wiederkomme, muss ich keine Angst haben, dass meine Mitbewohner alle meine Möbel auf die Straße gestellt haben, weil sie draußen ne Party schmeißen wollten.

Pierre: Das waren interessante Zeiten!

Wo kann man sich in Berlin besonders gut verstecken?

Beide: Hier!

Pierre: Also das Studio ist ein sehr guter Ort. Ich hab so ein paar Bars, die ich ganz gerne mag. Wahrscheinlich nenn ich die jetzt lieber nicht, sonst kann ich mich ja gar nicht mehr verstecken. Aber ansonsten das Studio.

Simon: Ja, leider gibt’s keine Klingel, my house, my castle!

Welcher aufstrebende Act hat euch in letzter Zeit besonders beeindruckt?

Pierre: Also das ist jetzt kein Newcomer, aber ich finde die neue Platte von White Lies unheimlich gut. Die klingen irgendwie immer gleich, aber schaffen es irgendwie in dieser gleichklingenden Welt neue Sachen zu entwickeln. Das neue Album von M83 find ich auch gut. Das mochten viele Leute irgendwie nicht, da es sich sehr von den anderen Sachen unterschieden hat. Das ging mir nicht so. Es hört sich an wie eine französische Sitcom. Sehr interessant.

Welcher Song auf “Hideaway” war am schwierigsten zu schreiben?

Pierre: Es gab einige Songs, die sehr lange existiert haben.

Simon: “Walls” zum Beispiel, da haben wir vier Jahre dran geschrieben.

Pierre: Es fehlte immer irgendwas. Dann haben wir das Schlagzeug neu aufgenommen und dann war es wirklich richtig gut.

Simon: Damals fiel uns Songwriting auch noch schwerer. Sehr leicht zu schreiben war „Easy“. Das hat ungefähr eine halbe Stunde gedauert, dann hatten wir das Ergebnis, was jetzt auf dem Album zu hören ist. Wir haben wirklich nichts geändert.

Habt ihr Pläne für eurer 10-jähriges Bandjubiläum nächstes Jahr?

Pierre: Wir wussten bis vor kurzem gar nicht, dass wir Jubiläum haben. Die Tour wird auf jeden Fall ein Höhepunkt und dann der anstehende Festivalsommer. An dem Tag, an dem wir uns getroffen haben, werden wir uns auf jeden Fall zusammen finden und Spaß haben.

Simon: Um den diesen genauen Tag zu herauszufinden, müssten wir in unsere alten Myspace-Accounts reingucken.

Pierre: Vielleicht sollten wir zum 10-jährigen unser Myspace-Konto wiedereröffnen!

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