TIDAL Rising: L’aupaire

TIDAL Rising: L’aupaire

Von Gießen nach Amsterdam, dann nach Budapest. L’aupaire war eine Weile unterwegs auf der Suche nach seinem eigenen Sound.


Als er ihn dann gefunden und seine Debüt-EP veröffentlicht hatte, ging alles recht schnell. Es folgten gefeierte Auftritte auf dem melt! Festival und dem South by Southwest in Austin. Jetzt erscheint sein Debüt “Flowers”. 12 eingängige Songs zwischen Singer-Songwriter und Pop, getragen von seiner markanten Blues-Stimme. Wir trafen L’aupaire vor einem seiner vielen Konzerte.

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Wer ist L’aupaire? Kannst du dich kurz vorstellen?

Ich bin Robert Laupert und L’aupaire ist ein Projekt, das ich 2013 ins Leben gerufen habe. Der Name ist eine französische Abwandlung meines Nachnamens, der auch lange mein Rufname war.

Wann und wie bist du zur Musik gekommen?

Meine Eltern sind große Musikfans und ich glaube, ich habe das direkt im Blut mitbekommen. Wir haben stundenlang zuhause Musik gehört oder Konzerte angeschaut.

Wer waren deine ersten musikalischen Helden?

Ein Held war auf jeden Fall Jimi Hendrix. Da war ich so 17, hab ihn entdeckt und mich dann ein halbes Jahr nur in seine Musik gestürzt. Ich wollte genauso sein wie er,
hab E-Gitarre geübt, seine Soli nachgespielt, das war lustig. Sowas hatte ich in dieser Zeit öfter, dass ich Künstler für mich entdeckt habe und komplett begeistert war.

Gibt es ein Album, einen Künstler oder ein Erlebnis, das deine Sicht auf Musik verändert hat?

Eine Sache, die mich sehr verändert hat, ist dass ich nach Holland gezogen bin, um dort an der Kunsthochschule Jazz zu studieren. Da habe ich Musik nochmal in ihrer ganzen Vielfalt kennengelernt, von Free Jazz bis Dubstep. Da hat sich unglaublich vieles getummelt und gemischt. Es wurde Musik ausgetauscht, auf eine gute Art miteinander konkurriert und dort habe ich einfach unglaublich viel kennengelernt. Ich habe auch viele gute Konzerte gesehen.

Eine Band hattest du zu dieser Zeit aber noch nicht, oder?

Doch, eine Jazzband. Ich habe damals mit einer Jazztruppe meine erste CD gemacht. Sie kam sehr gut an und ich habe auch 1.000 Stück für je 15 Euro verkauft. Auf Konzerten oder wenn ich irgendwo auf der Straße gespielt habe. Da habe ich gemerkt, dieses Künstlerleben funktioniert irgendwie. Mit 18, 19 habe ich viele Konzerte organisiert, vieles ausprobiert, viele Fehler gemacht. Das war eine gute Zeit.

Nach Budapest bist du dann aber erst später gegangen.

Ja, das war 2013.

Also hast du in Holland noch fertig studiert?

Nein, das habe ich abgebrochen und bin dann nach Budapest. Vorher war ich aber noch Assistent in einem Tonstudio. Wie nennt man das, Wasserträger? Ah nein, Tea Boy! Ich hab dort für verschiedene Produzenten gearbeitet, Leute vom Flughafen abgeholt, gekocht usw. Danach dachte ich, jetzt habe ich eigentlich alles, was ich brauche und bin nach Budapest gefahren, um dort meine eigene Sache zu suchen. Ich hatte gemerkt, die schlummert in mir und die muss ich jetzt rauskitzeln.

Am Anfang war es sehr schwer, dieses Eigene zu finden, weil ich es mir nicht so richtig zugetraut habe. Ich musste viel daran arbeiten, Angst zu verlieren und Widerstände zu überwinden.

Deswegen diese Einsiedelei?

Ja, deshalb die Einsamkeit. Viel, viel, viel arbeiten und ausprobieren. Ich hatte ein Zimmer voller Instrumente, praktisch mein ganzes Studio dabei und hab dann dort den ganzen Tag einfach nur Musik gemacht. Ein Freund hatte mich und meine ganzen Sachen mit einem VW Sprinter von Gießen nach Budapest gebracht und mich dann dort vier Monate später auch wieder abgeholt.

Hattest du dann dort das gesamte Album aufgenommen?

Ja, den größten Teil habe ich dort gemacht. Später habe ich noch Freunde gefragt, ob sie weitere Instrumente einspielen wollen, weil meine eigenen Fähigkeiten natürlich auch irgendwo begrenzt sind und ich noch mehr wollte. Ich habe aber auch noch weitere Songs geschrieben, die ich noch hinzugefügt habe.

Klingen diese Songs irgendwie anders?

Ich habe schon versucht, eine rote Linie zu halten. Ich bin ja selber der Produzent des Albums und hab alles selber gemacht, mit meinem eigenen Team. Deswegen habe ich viel überlegt, wie ich es so homogen klingen lassen kann.

Das heißt, nachdem du gesignt wurdest, kam niemand, der dir gesagt hat, wie du alles machen sollst.

Nein. Als ich gesignt wurde, war die Vision schon klar. Sie haben gesagt, dass es total cool ist, was ich mache, und das ich so weitermachen soll. Das war eine große Hilfe, um es auch wirklich fertig zu machen.

Kannst du dir vorstellen, für dein nächstes Album noch einmal irgendwohin zu gehen?

Ja, immer wieder. Ich kann das nur empfehlen, es ist unheimlich gut. Ich weiß auch schon, dass ich beim nächsten Mal in ein englischsprachiges Land will. Weil ich englische Lyrics schreibe, ist es viel besser, wenn ich mit der Sprache im Alltag noch mehr zu tun habe.

Das heißt, es kommt für dich grundsätzlich nicht infrage, auf Deutsch zu singen?

Nein. Das habe ich einfach nie gefühlt. Ich finde die deutsche Sprache wunderbar, aber sie hat mich nie gerufen. Ich finde viele deutsche Künstler toll und wie sie mit Sprache umgehen, aber für mich persönlich war es immer das Englische, das mich angesprochen und fasziniert hat.

Kannst du uns einen anderen aufstrebenden Künstler empfehlen?

Ja, eine Menge Leute. Wer richtig toll ist, ist unsere Vorband Josin, von der bin ich richtig begeistert. Beim Bayerischen Rundfunk waren wir auf der “Startrampe” mit den Kytes und Schnipo Schranke, das war auch toll. Von Schnipo bin ich richtig begeistert. Malky finde ich auch super.

Mit welchem Musiker/Künstler würdest du gern mal zusammenarbeiten?

Ich würde gerne Musik für einen Film von Jim Jarmusch oder Martin Scorsese machen. Auch wenn das jetzt vielleicht zwei total verschiedene Filme wären. Das sind die beiden, die mir so spontan als erstes einfallen.

(Fotos von Sophie Krische)

Wenn du zwischen den Superkräften Unsichtbarkeit und Fliegen wählen könntest, welche würdest du nehmen?

Fliegen! Das habe ich schon so oft geträumt. Dann müsste ich jetzt auch in kein Flugzeug steigen, sondern könnte einfach überall hindüsen. Das wäre sehr entspannt, ich würde es lieben.

Wovor hast du am meisten Angst?

Vorm Tod. Generell vor dem Thema Tod. Das macht mich total fertig. Verlustangst ist die einzige reale Angst, habe ich mal gelesen.

Ich habe auch Angst, dass es mit dem Album so voll bergab geht. Oder dass ich eine schlechte Show spiele. Das sind auch Ängste, dich ich immer mit mir rumtrage.

Ein Jahr in die Zukunft geschaut, was war das Beste, das dir 2016 passiert ist?

Dass die Singles im Radio gut angekommen sind und dass wir mit dem Album noch viel mehr Leute erreicht haben, als wir uns das vorgestellt haben. Und dass wir ein fantastisches Tour-Jahr voller toller Konzerte hatten.

Und zum Schluss: Wenn deine Musik ein Gegenstand wäre, was wäre sie dann und warum?

So ein richtig guter Whiskey, der sehr rauchig im Abgang ist und viele Noten hat, die man erst nach 20-30 Sekunden erkennt.

Na dann prost!

 

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