TIDAL Rising: Sam Vance-Law

TIDAL Rising: Sam Vance-Law

Der Kanadier Sam Vance-Law lebt seit sieben Jahren in Berlin und hat sich schon mit den richtigen Leuten angefreundet. Konstantin Gropper (Get Well Soon) unterstützte ihn bei seinem Album, Max Gruber aka Drangsal spielt in einem seiner Videos mit. Wahrscheinlich sind sie eher ihm verfallen als andersherum, denn dieser junge Mann ist einfach rundum sympathisch und extrem talentiert. Seine intensive Stimme erinnert an Adam Green und bei seinem luftigen Kammerpop hört man seine eigene Klassik-Vergangenheit genauso heraus wie den schwelgerischen, reich instrumentierten Stil von Konstantin Gropper. Die Songs auf “Homotopia” beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten seines jungen, schwulen Lebens. Da ist so viel Charme, Witz und Augenzwinkern, dass wir Sam Vance-Law unbedingt besser kennenlernen wollten.

*   *   *

 

Hi Sam, wie geht es dir? Kannst du dich kurz vorstellen?

Oh, hey! Ja, mir geht’s gut. Ich hoffe, euch auch. Es ist Release-Woche, ganz schön verrückt! Und hmm, ich bin Sam, komme aus Kanada und mache jetzt hier in Berlin Musik.

Wann und wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe angefangen, Geige zu spielen, als ich vier oder fünf war. So ging es los. Dann war ich ein Chorjunge. Jetzt bin ich wohl in der Popwelt. Das Übliche also.

Wer waren deine ersten musikalischen Helden?

Das ist schwer zu sagen, ich war damals noch sehr klein. Ich denke, höchstwahrscheinlich Bach, die Beatles und Annie Lennox. Mit den dreien kann man nichts falsch machen.

Was hat dich an Berlin am meisten überrascht?

Alles, ich bin komplett ohne Erwartungen hier angekommen. Das war bevor ich annähernd cool genug war, um vom Hype um Berlin gehört zu haben. Die ganze Stadt war also eine Überraschung und ist es irgendwie immer noch.

“Homotopia” ist ja ein Konzeptalbum, was ziemlich ungewöhnlich ist für ein Debüt. Wie kamst du darauf, dich gleich auf ein Thema zu konzentrieren?

Ich hatte schon den Namen des Albums und ein paar Songtitel, aber ich hab es nicht so ernst genommen. Die Songs haben sich dann fast von allein geschrieben, also hab ich sie aufgeschrieben und wollte schauen, was so passiert. Ich wollte sehen, was für ein Album ich aufnehme, wenn ich es nicht zu stark versuche, es in irgendeine Richtung zu steuern. Ich habe einfach geschrieben, was so auf mich zu kam. Und das ist nun “Homotopia”.

An welchem Song auf “Homotopia” hast du am längsten geschraubt?

“Gayby” war der erste Song, den ich geschrieben habe, also habe ich einen Haufen Fehler gemacht. Ich musste sie alle ausbügeln und das hat verdammt lange gedauert.

 

 

Wie kam es, dass Konstantin Gropper an deinem Album mitgearbeitet hat?

Ich kenne ihn jetzt schon ein paar Jahre, wir mögen uns einfach. Und als er meinte, er möchte daran mitarbeiten, habe ich natürlich ja gesagt. Der Typ ist ein Genie!

Du scheinst ein rundherum fröhlicher Mensch zu sein. Gibt es auch dunkle Seiten an dir?

Ich nehme die Dinge leicht, so geht es mir die meiste Zeit ziemlich gut. Aber es gibt natürlich trotzdem harte Zeiten, die auch für mich schwierig sind. Meine Musik bringt da vielleicht die feine Balance zwischen meinem alltäglichen, eher euphorischem Gemüt und den härteren Zeiten. Wie alle habe ich also wohl auch eine dunklere Seite.

Was ist dein liebstes deutsches Wort?

“Nichtsdestotrotz” war das erste richtig beeindruckende deutsche Wort, das ich gelernt habe, und ich habe es bis zum Umfallen benutzt. Ich mag die meisten deutschen Wörter, außer vielleicht “Schwamm” und Lappen”. Vielleicht mag ich aber auch einfach keine Putzmittel.

Kritisiere deine Musik aus Sicht von jemandem, der sie gar nicht mag.

Das ist eine gute Frage, aber ich möchte anderen keine Worte in den Mund legen. Den Leuten, die das Album nicht mögen, fällt sicher auch ohne meine Hilfe etwas ein. Vielleicht, was ich auch sage, wenn mich ein Album nicht wirklich überzeugt: Nicht so richtig mein Ding.

Wie kommt Drangsal ins Video zu “Prettyboy”?

Max und ich sind Freunde und er ist sehr nett, also kam er vorbei um mitzumachen.

Ein Jahr in die Zukunft geschaut, was war das Beste, das dir 2018 passiert ist?

Weltfrieden und allgemeines Wohlwollen. Und niemand hat es vorausgesehen! Aber alle sind ziemlich glücklich darüber.

Und zum Schluss: Wenn deine Musik ein Ding wäre, was wäre sie dann und warum?

Eine Person, denke ich. Sie steht einfach nur rum und hofft, Gehör zu finden.

(Fotos: J. Konrad Schmidt)

[fbcomments num="5" width="100%" count="off" countmsg="kommentarer" url="http://read.tidal.com/article/tidal-rising-sam-vance-law"]