TIDAL Rising: Xul Zolar

TIDAL Rising: Xul Zolar

Wer in den letzten Jahren mal auf einem Indie-Festival war, hat bestimmt von diesem umtriebigen Kölner Quartett gehört. Xul Zolar sind schon seit 2011 unterwegs und haben ihre persönlichen und musikalischen Erfahrungen nun endlich in ein Debütalbum gegossen. Fear Talk ist auf ihrem eigenen Label Asmara Records erschienen und feinster zeitgenössischer Synthie-Pop. Zum Release lest ihr hier unser TIDAL Rising Interview mit den vier Herren.

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Wer sind Xul Zolar? Könnt ihr euch kurz vorstellen?

Wir sind Ronald (Gesang, Gitarre), Marin (Gitarre, Keys), Dennis (Bass) und Pony (Schlagzeug) aus Köln und machen zusammen als Xul Zolar Musik.

Wann und wie seid ihr zur Musik gekommen?

Marin: Ich hab mit ca. 10 Jahren angefangen Bassunterricht zu nehmen, bin dann aber irgendwann auf Gitarre umgestiegen, weil ich Metallica-Soli spielen wollte. Zum selber Musizieren bin ich über zunächst Schüler- und dann später Hardcore- und Punkbands gekommen.

Dennis: Mit 16 Jahren habe ich abgefangen, die Musikschule zu besuchen, da Freunde auf der Suche nach einem Bassisten waren.

Ronald: Meine erste Berührung mit Musikmachen kam durch meinen Opa als ich ungefähr zehn war. Der hat mich öfters mit zu den Proben seines Gesangsvereins genommen. Dort stand ein Flügel im Nebenraum und weil mir in erster Linie langweilig war, habe ich irgendwann – in sehr naiver Weise – damit angefangen, die Proben mit einzelnen Tönen zu begleiten. Sehr viel später, erst mit ungefähr 16, habe ich mir dann eine Gitarre gekauft.

Pony: Ich habe schon ziemlich früh angefangen, die Kochlöffel meiner Mutter auf Spielzeugkisten und allem, was Krach macht, zu zertrümmern. Mit acht habe ich dann endlich mein eigenes Schlagzeug bekommen.

Wer sind eure musikalischen Helden?

M: Da gibt’s viele. Als Einzelkünstler würde ich Chopin und vielleicht Michael Jackson nennen. Was Bands angeht, waren u.a. The Smiths und Talking Heads immer wichtige Referenzpunkte für mich.

R: Musikalische Helden sind für mich irgendwie verbunden mit meinem vierzehnjährigen Alter Ego: da waren es bei mir einerseits (damals) aktuelle Sachen wie AFI und Trail of Dead, aber auch einige achtziger Jahre Interpreten wie Morrissey, OMD oder Joy Division. Auf die bin ich glücklicherweise durch einen Nachbarn meiner Eltern gestoßen, der mich damals kontinuierlich mit neuer Musik versorgt hat.

Seit eurer Gründung 2011 sind ja schon einige Jahre ins Land gegangen. Deckt euer Debüt die ganze Zeit ab oder ist es eher eine Momentaufnahme?

M: Ich würde sagen, beides. Zum Einen ist das Album natürlich auch Resultat eines langen Entwicklungsprozesses, den wir als Band durchgemacht haben. Zum Anderen sind aber alle Songs, die letztendlich auf dem Album gelandet sind, in relativ kurzer Zeit entstanden. Gewissermaßen also eine Momentaufnahme, die ohne die vorangegange Zeit nicht möglich gewesen wäre.

Womit verdient ihr außerhalb der Band eure Quinoa-Brötchen?

M: Ich wollte noch einen sicheren Brotjob haben, und mache deswegen noch einen Doktor in Philosophie.

D: Tontechnik im Live-Bereich.

R: Ich promoviere in Literaturwissenschaft.

P: Drum-Tech/ Backliner.

In welchem Track von Fear Talk steckt am meisten Herzblut?

M: Herzblut steckt eigentlich in allen gleich viel. Aber am emotional aufgeladensten ist für mich ‘NYE‘. Der Song ist zu einer für die Band schwierigen Zeit entstanden und ich mochte ihn eigentlich nie. Bis er dann fertig war. Jetzt finde ich, es ist einer der besten auf dem Album.

D: ‘Combat‘, der wahre Hit der Platte!

Wie kamt ihr dazu, euer eigenes Label zu gründen?

M: Unser Manager Malte, der durch seine Arbeit bei Jakarta Records bestens weiß, wie man ein Label betreibt, kam mit der Idee auf uns zu und wir fanden sie klasse, weil sie einem gewissen D.I.Y. Spirit entspricht, den ich durch meine Hardcore- und Punksozialisierung nach wie vor habe, und uns maximale künstlerische Freiheit erlaubt. Außerdem ergibt sich dadurch die Möglichkeit, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten.

Gibt es etwas, das euch an Köln richtig nervt?

M: Karneval ist schrecklich. Und die hohen Mietpreise sind auch nervig.

D: Ich mag Karneval.

R. Köln ist leider sehr hässlich.

P: Kölsch.

Ihr habt eine Zeitmaschine. Was würdet ihr euren jüngeren Ichs zu Zeiten der Bandgründung raten?

M: Weniger nachdenken, mehr machen.

R: Sehr viel weniger faul sein.

Kritisiert eure Musik aus der Sicht von jemandem, der sie gar nicht mag.

M: “Viel zu 80er, viel zu pathetisch, viel zu soft. Außerdem… was ist das für ein bescheuerter Name? Pseudo-intellektuelle Studentenmucke. Könnt ihr nicht mal rocken?”

R: “Mir fehlt das Charisma und die wissen nicht, was sie wollen.”

Welcher Feiertag sollte dringend eingeführt werden?

M: David Bowie ist gestern vor zwei Jahren gestorben. Ich musste trotzdem arbeiten. Das wär doch mal einen Feiertag wert.

Könnt ihr uns andere aufstrebende Künstler empfehlen?

M: In Köln ist musikalisch gerade wieder einiges in Bewegung. Besonders empfehlenswert finde ich No Visa, eine ganz frische Industrial-Synth-Punk Gruppe, die auch als Special Guest auf unserem Releasekonzert spielen wird.

R: UMMN sind auch sehr interessant, die machen so Throbbing Gristle angehauchten Noise.

P: Und natürlich WOMAN, die auch bei Asmara Records sind. Die Jungs sind bald wieder auf Tour. Sollte man unbedingt auschecken.

Ein Jahr in die Zukunft geschaut, was war das Beste, das euch 2018 passiert ist?

M: Unser Album zu veröffentlichen und damit auf Tour zu gehen.

Und zum Schluss: Wenn eure Musik ein Tier wäre, was wäre sie dann und warum?

M: Eine Katze. Kuschelig, schlau, eigenwillig und manchmal auch kratzbürstig.

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